Daniel, bei Shoepassion habt ihr verschiedene Finanzierungsmodelle ausprobiert. Ihr habt zunächst gebootstrapped und euch dann bewusst für ein Bankdarlehen entschieden, um euer weiteres Wachstum zu finanzieren. Warum?
Daniel: Zu Beginn war ich zwar nicht dabei, aber ich kenne natürlich die Motive für die Entscheidungen. Wenn man zu früh VCs reinholt, gibt man einfach überproportional viele Anteile ab. Das umgeht man, indem man mit Banken zusammenarbeitet. Was viele Gründer ausblenden, sind die Förderungsmöglichkeiten im Bankenumfeld. Man hat zum Beispiel sehr lange Laufzeiten für die Tilgung oder generell sehr niedrige Zinsen. Das war ein Hauptgrund für Shoepassion diesen Weg zu gehen, auch weil das Unternehmen working capital intensiv ist.
Was viele Gründer ausblenden, sind die Förderungsmöglichkeiten im Bankenumfeld. Man hat zum Beispiel sehr lange Laufzeiten für die Tilgung oder generell sehr niedrige Zinsen.
Daniel: Ein Hauptlearning für uns war, dass man mit Banken reden kann und sollte. Denn auch bei Banken gibt es verschiedenste Finanzierungsmöglichkeiten. Wenn man am Anfang noch im Risikokapitalbereich unterwegs ist, kann zum Beispiel Wagniskapital zur Verfügung gestellt werden. Man kann sogar flexible Linien vereinbaren: Man zahlt eine geringe Gebühr, aber nur, wenn man das Geld auch in Anspruch nimmt. Das ist ähnlich einem Kontokorrent. Dabei werden die Zinsen bis zu einem Jahr festgeschrieben, zum üblichen Geldmarkt-Zins. Es gibt verschiedene Vehikel.
Gerade in einem sehr working-capital lastigen Geschäftsbereich, wie wir ihn haben ist es sinnvoll, frühzeitig mit Banken zu reden. Die Banken haben grundsätzlich großes Interesse an Start-ups. Ein Vorteil ist auch, dass man in der doch langen Zeit, die man mit einer Bank zusammenarbeitet, ein Vertrauensverhältnis entwickelt, von dem man in schwierigen Zeiten profitiert. Während der Corona-Pandemie war es hilfreich, eine solche langjährige Beziehung zu haben.
Außerdem kann es von Vorteil sein, eine weitere Partei mit an Board zu haben, da diese eine weitere Validierungsinstanz für die Planungen darstellt.
Außerdem kann es von Vorteil sein, eine weitere Partei mit an Board zu haben, da diese eine weitere Validierungsinstanz für die Planungen darstellt.
Daniel: Im Alltäglichen merken wir davon im Prinzip nichts. Ich beziehe mich tatsächlich auf Finanzierungsfragen. Wir haben zum Teil gar nicht gewusst, welche verschiedenen Lösungen es bei Banken gibt. Zum Beispiel kann man einige Fördergelder nur bekommen, wenn die Bank sie beantragt. Du hast Recht, eine Bank ist keine aktive Partei, mit der man besprechen kann, wie man das Geschäftsmodell nach vorne bringt, sondern eher ein Berater im Bereich Finanzierung.
Daniel: Im Anfangsstadium kommt man um eine gewisse private Bürgschaft nicht herum. Banken wollen Sicherheiten. Wenn das Geschäft diese nicht hergibt, muss man sie als Gründer oder als Geschäftsführer dementsprechend stellen. Ein anderer großer Nachteil: Irgendwann kommt halt der Tag, an dem man die Kredite zurückführen muss.
Daniel: Es ist nie schön, wenn man Zinsen zahlt, aber man muss den Cap Table dagegen halten. Aus meiner Sicht sollten Unternehmen in verschiedenen Stadien verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Ab einem gewissen Punkt haben wir auch Investorengeld verwendet. Bei einem Geschäftsmodell, bei dem man viel Ware finanziert, ist es sinnvoll, dies mit günstigem Fremdkapital zu finanzieren. Es macht keinen Sinn, für den Anteilseigner teures Eigenkapital zu nehmen. Wenn man dagegen eine Wachstumsstrategie fährt und beispielsweise viel in Marketing investiert, ist es eventuell sinnvoller, sich Investoren mit an Bord zu holen, weil die Unsicherheit größer ist, ob man das Geld zum Zeitpunkt X wieder zurückführen kann.
Bei einem Geschäftsmodell, bei dem man viel Ware finanziert, ist es sinnvoll, dies mit günstigem Fremdkapital zu finanzieren. Es macht keinen Sinn, für den Anteilseigner teures Eigenkapital zu nehmen.
Daniel: Es ist nie schön, wenn man Zinsen zahlt, aber man muss den Cap Table dagegen halten. Aus meiner Sicht sollten Unternehmen in verschiedenen Stadien verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Ab einem gewissen Punkt haben wir auch Investorengeld verwendet. Bei einem Geschäftsmodell, bei dem man viel Ware finanziert, ist es sinnvoll, dies mit günstigem Fremdkapital zu finanzieren. Es macht keinen Sinn, für den Anteilseigner teures Eigenkapital zu nehmen. Wenn man dagegen eine Wachstumsstrategie fährt und beispielsweise viel in Marketing investiert, ist es eventuell sinnvoller, sich Investoren mit an Bord zu holen, weil die Unsicherheit größer ist, ob man das Geld zum Zeitpunkt X wieder zurückführen kann.
Daniel: Jeder Gründer sollte ehrlich zu sich sein und sich überlegen, wie risikoaffin er ist. Gerade am Anfang neigt man dazu, alles ein bisschen zu optimistisch zu planen. Da sollte man einen Schritt zurücktreten und überlegen: Was passiert, wenn es doch nicht so gut läuft? Wer früh externe Parteien mit in den Gesellschafterkreis holt, gibt überproportional viele Anteile ab. Man muss hier die Chancen mit dem persönlichen Risikoempfinden abwägen und sich bewusst sein, dass Eigenkapital immer teuer ist.
Es ist natürlich auch entlastend, wenn man weiß, dass man nicht das eigene Geld einsetzt, sondern das von Investoren, aber man zahlt dafür eben einen Preis. In meiner Erfahrung agiert man außerdem risikoreicher, wenn Investoren an Bord sind. Man legt Pläne vor und will sich dann auch an diese halten. Darüber sollte man sich im Klaren sein.
Wer früh externe Parteien mit in den Gesellschafterkreis holt, gibt überproportional viele Anteile ab. Man muss hier die Chancen mit dem persönlichen Risikoempfinden abwägen und sich bewusst sein, dass Eigenkapital immer teuer ist.
Daniel: Wie es gelaufen ist, war ziemlich ideal. Die beiden Gründer sind ein hohes Risiko eingegangen, weil sie sich privat verbürgen mussten. Aber nachdem sie diese Hürde erfolgreich gemeistert hatten, hatten wir ganz andere Spielregeln, weil die Gründer noch 100 Prozent der Anteile hielten.
Wie es gelaufen ist, war ziemlich ideal. Die beiden Gründer sind ein hohes Risiko eingegangen, weil sie sich privat verbürgen mussten. Aber nachdem sie diese Hürde erfolgreich gemeistert hatten, hatten wir ganz andere Spielregeln, weil die Gründer noch 100 Prozent der Anteile hielten.